
Die Entscheidung für oder gegen ein eigenes Auto ist keine reine Rechenaufgabe mehr, sondern eine strategische Weichenstellung für Ihre Lebensqualität und Finanzen.
- Ein intelligenter Mix aus Carsharing und ÖPNV ist bei bis zu 14.000 km/Jahr fast immer die günstigere Alternative zum eigenen Pkw.
- Der Verzicht auf den täglichen Autostress durch Stau und Parkplatzsuche kann die Produktivität steigern und das Wohlbefinden spürbar verbessern.
Empfehlung: Analysieren Sie Ihre tatsächlichen Mobilitätsbedürfnisse und Kosten mit den richtigen Tools, um Ihr persönliches Sparpotenzial von über 200 € pro Monat zu realisieren.
Jeden Morgen dieselbe Routine: ins Auto steigen, im Stau stehen, einen Parkplatz suchen und dabei zusehen, wie die Kosten für Sprit, Versicherung und Wartung das monatliche Budget belasten. Viele Berufspendler im städtischen Raum fühlen sich in diesem Hamsterrad gefangen und wägen ständig zwischen dem vermeintlichen Komfort des eigenen Wagens und den offensichtlichen Kosten ab. Die üblichen Ratschläge – ein kleineres Auto kaufen oder öfter das Fahrrad nehmen – greifen oft zu kurz, da sie die Komplexität des modernen Arbeitslebens ignorieren.
Doch was wäre, wenn die Lösung nicht darin liegt, ein einziges Verkehrsmittel zu optimieren, sondern das gesamte Mobilitätsverhalten neu zu denken? Der Schlüssel zur finanziellen und mentalen Entlastung liegt in der strategischen Mobilitäts-Orchestrierung. Es geht darum, die verfügbaren Optionen – vom eigenen Auto über Carsharing und E-Bikes bis hin zum öffentlichen Nahverkehr – wie die Instrumente eines Orchesters zu einem harmonischen Gesamtkonzept zusammenzufügen, das exakt auf den eigenen Lebensrhythmus abgestimmt ist. Hierbei werden nicht nur die direkten Ausgaben, sondern auch die versteckten Stresskosten berücksichtigt, die durch verlorene Zeit und Nerven entstehen.
Dieser Artikel dient als Ihr Leitfaden für eine solche Neuausrichtung. Wir werden die Kostenfallen des eigenen Pkws aufdecken, praxiserprobte Strategien zur nahtlosen Kombination verschiedener Verkehrsmittel vorstellen, neue Modelle wie das Auto-Abo bewerten und Ihnen die Werkzeuge an die Hand geben, mit denen Sie Ihre ganz persönliche, kosteneffiziente und stressfreie Mobilitätsstrategie entwickeln können.
Um Ihnen eine klare Orientierung zu geben, wie Sie Ihre Mobilität neu gestalten können, haben wir die wichtigsten Aspekte in den folgenden Kapiteln für Sie aufbereitet. Dieser Leitfaden führt Sie systematisch von der Kostenanalyse bis hin zu praktischen Tipps für den Alltag.
Inhaltsverzeichnis: Die Bausteine Ihrer neuen Mobilitätsstrategie
- Warum das eigene Auto oft teurer ist als die Kombination aus Bahn und Carsharing?
- Wie kombiniert man Auto und ÖPNV nahtlos für einen Arbeitsweg unter 45 Minuten?
- Eigener PKW vs. Abo-Modell: Was lohnt sich bei einer Fahrleistung unter 10.000 km im Jahr?
- Der Status-Irrtum: Warum der Verzicht auf das eigene Auto das Stresslevel um 30% senken kann
- Wann lohnt sich der Umstieg auf vollelektrische Mobilität für Mieter ohne eigene Wallbox?
- Carpooling für Pendler: Wie findet man Mitfahrer, die zuverlässig und sympathisch sind?
- Spritmonitor & Co: Welche App liefert die besten Statistiken zu den wahren Betriebskosten?
- Nachhaltig Autofahren: Wie reduziert man den CO2-Fussabdruck eines Verbrenners um 20%?
Warum das eigene Auto oft teurer ist als die Kombination aus Bahn und Carsharing?
Die finanzielle Belastung durch ein eigenes Auto wird systematisch unterschätzt. Während die monatliche Leasing- oder Finanzierungsrate präsent ist, geraten die laufenden Betriebskosten schnell aus dem Blickfeld. Wertverlust, Versicherung, Steuern, Wartung, Reparaturen und Kraftstoff summieren sich zu einem Betrag, der viele überrascht. Eine Studie zeigt, dass Autobesitzer ihre monatlichen Kosten um mehr als das Doppelte unterschätzen: Statt der geschätzten 204 Euro liegen die wahren Kosten oft bei 425 Euro.
Hier setzt das Konzept der geteilten Mobilität an. Anstatt für den reinen Besitz und die ständige Verfügbarkeit zu zahlen, wird nur die tatsächliche Nutzung abgerechnet. Eine Kombination aus einer Jahreskarte für den öffentlichen Nahverkehr und der bedarfsgerechten Nutzung von Carsharing für Grosseinkäufe oder Wochenendausflüge ist in den meisten urbanen Szenarien die deutlich wirtschaftlichere Lösung. Laut Bundesverband CarSharing können Haushalte durch den Verzicht auf ein eigenes Auto und die Nutzung von Carsharing bei einer Jahresfahrleistung von 8.000 Kilometern bis zu 1.622 Euro pro Jahr sparen.
Die folgende Tabelle verdeutlicht, wie stark die Ersparnis je nach Fahrleistung ausfällt und zeigt den Kipppunkt, ab dem sich ein eigenes Auto finanziell rechnen könnte.
| Jahresfahrleistung | Eigenes Auto (Neuwagen) | Carsharing | Ersparnis |
|---|---|---|---|
| 4.000 km | 5.415 € | 2.500 € | 2.915 € |
| 8.000 km | 5.415 € | 3.793 € | 1.622 € |
| 14.000 km | 7.200 € | 7.100 € | 100 € |
Die Daten zeigen, dass insbesondere bei geringer bis mittlerer Fahrleistung, wie sie für viele Stadtbewohner typisch ist, ein enormes Sparpotenzial liegt. Selbst in kleineren Gemeinden wie Vaterstetten bei München zeigt sich, dass Carsharing erfolgreich private Pkws, insbesondere Zweitwagen, ersetzen kann.
Wie kombiniert man Auto und ÖPNV nahtlos für einen Arbeitsweg unter 45 Minuten?
Der Schlüssel zu einem effizienten Pendelalltag ohne eigenes Auto liegt in der intelligenten Mobilitäts-Orchestrierung. Es geht nicht darum, sich auf ein einziges Verkehrsmittel zu verlassen, sondern darum, für jeden Streckenabschnitt die beste Option zu wählen und diese reibungslos miteinander zu verknüpfen. Das Ziel ist es, die sogenannten Reibungspunkte – wie Wartezeiten, umständliche Buchungen oder lange Fusswege – zu minimieren. Moderne Technologie spielt hierbei eine zentrale Rolle.
Multimodale Mobilitäts-Apps wie der DB Navigator oder lokale Angebote wie Jelbi in Berlin sind das digitale Herzstück dieser Strategie. Sie integrieren Fahrpläne des ÖPNV, die Verfügbarkeit von Carsharing-Fahrzeugen, E-Scootern und Leihrädern in einer einzigen Oberfläche. So lässt sich die gesamte Route von Tür zu Tür planen, buchen und bezahlen.

Eine typische, optimierte Pendelstrecke könnte so aussehen: Mit dem Leihrad zur nächsten S-Bahn-Station, mit der Bahn in die Nähe des Arbeitsplatzes und für die „letzte Meile“ einen E-Scooter nutzen. Für den wöchentlichen Grosseinkauf wird ein Carsharing-Fahrzeug für zwei Stunden gebucht. Die folgenden Schritte helfen Ihnen, eine solche intermodale Kette für Ihren Alltag zu etablieren:
- Apps nutzen: Installieren Sie eine multimodale App und verknüpfen Sie Ihre Konten bei verschiedenen Mobilitätsanbietern.
- Park & Ride identifizieren: Finden Sie strategische Park & Ride-Plätze entlang Ihrer Hauptrouten, um das Auto gezielt für einen Teil der Strecke einzusetzen.
- Zeitpuffer einplanen: Planen Sie anfangs Puffer von mindestens 5-10 Minuten zwischen den Wechseln der Verkehrsmittel ein, um Stress zu vermeiden.
- Alternativen vorbereiten: Haben Sie immer einen Plan B, falls ein Verkehrsmittel ausfällt (z.B. E-Scooter statt Bus).
- Vorteile verhandeln: Sprechen Sie mit Ihrem Arbeitgeber über Zuschüsse wie ein Jobticket oder die Kostenübernahme für Park & Ride-Plätze.
Eigener PKW vs. Abo-Modell: Was lohnt sich bei einer Fahrleistung unter 10.000 km im Jahr?
Für Pendler, die nicht gänzlich auf ein Auto verzichten können oder wollen, aber eine geringe Jahresfahrleistung haben, stellt sich eine neue Frage: Kaufen, leasen oder abonnieren? Das Auto-Abo etabliert sich als flexible Alternative zwischen dem klassischen Besitz und dem spontanen Carsharing. Es bietet die exklusive Nutzung eines Fahrzeugs für einen monatlichen Festpreis, der Versicherung, Wartung, Steuern und Reifen bereits beinhaltet. Nur das Tanken oder Laden kommt hinzu.
Der entscheidende Vorteil des Abos ist die Flexibilität und Kostenkontrolle. Mit kurzen Kündigungsfristen von oft nur wenigen Monaten kann das Fahrzeug an veränderte Lebensumstände angepasst werden – etwa ein grösseres Modell für den Familienurlaub oder die Kündigung bei einem längeren Auslandsaufenthalt. Dies eliminiert das langfristige finanzielle Risiko und den Wertverlust des eigenen Pkws. Bei einer Fahrleistung unter 10.000 Kilometern pro Jahr ist ein Abo oft günstiger als der Kauf eines Neu- oder jungen Gebrauchtwagens, da die hohen Fixkosten des Besitzes (insbesondere der Wertverlust) nicht zum Tragen kommen.
Der Break-Even-Punkt, bis zu dem sich geteilte Mobilität oder flexible Modelle wie das Abo im Vergleich zum eigenen Auto lohnen, liegt oft erstaunlich hoch. Analysen zeigen, dass Carsharing in vielen Fällen bis zu einer Jahresfahrleistung von bis zu 14.000 Kilometern pro Jahr die günstigere Option ist. Die folgende Tabelle stellt die drei Modelle gegenüber und hilft bei der Einordnung des richtigen Konzepts für Ihr Mobilitäts-Portfolio.
| Kriterium | Eigenes Auto | Auto-Abo | Carsharing |
|---|---|---|---|
| Monatliche Fixkosten | 350-600€ | 299-599€ | 0-25€ |
| Flexibilität | Niedrig | Mittel | Hoch |
| Kündigungsfrist | Verkauf nötig | 1-3 Monate | Sofort |
| Kilometerpakete | Unbegrenzt | 500-2500 km/Monat | Pay-per-use |
Der Status-Irrtum: Warum der Verzicht auf das eigene Auto das Stresslevel um 30% senken kann
Das eigene Auto wird oft unbewusst als Statussymbol und Garant für Freiheit wahrgenommen. Doch für viele Pendler in urbanen Räumen verkehrt sich diese Freiheit ins Gegenteil: täglicher Stau, endlose Parkplatzsuche und die ständige Sorge um Kratzer oder Strafzettel erzeugen erhebliche Stresskosten. Der Verzicht auf das eigene Auto ist daher weniger ein Verlust als vielmehr ein Gewinn an Lebensqualität, Zeit und mentaler Energie.
Die Zeit, die man nicht mehr konzentriert am Steuer verbringen muss, wird zu frei verfügbarer Zeit. Im öffentlichen Nahverkehr kann diese genutzt werden, um zu lesen, Podcasts zu hören, sich auf Meetings vorzubereiten oder einfach nur zu entspannen. Diese Transformation der „verlorenen“ Pendelzeit in produktive oder erholsame Zeit ist ein wesentlicher Faktor für das Wohlbefinden. Wie Forscher der University of the West of England herausfanden, ist dies keine Theorie, sondern gelebte Praxis:
Ein Grossteil der Pendler erledigt auf dem Weg Aufgaben für die Arbeit und schreibt zum Beispiel Mails, führt Telefonate oder bereitet Projekte vor. Das hatten Forscher der University of the West of England herausgefunden, als sie in den Jahren 2016 und 2017 rund 5000 Pendler befragten.
– University of the West of England, Planet Wissen – Stressfreier Pendeln

Dieser psychologische Vorteil wird durch harte Fakten untermauert. Eine Studie zu Carsharing-Nutzern zeigt, dass in innenstadtnahen Stadtteilen 78,2 Prozent aller Kunden von stationsbasierten Systemen kein eigenes Auto mehr besitzen. Dies belegt, dass der Umstieg für eine grosse Gruppe von Menschen eine funktionierende und attraktive Dauerlösung ist, die weit über gelegentliche Fahrten hinausgeht.
Wann lohnt sich der Umstieg auf vollelektrische Mobilität für Mieter ohne eigene Wallbox?
Die Elektromobilität verspricht leises, emissionsarmes Fahren, doch für Mieter scheint eine grosse Hürde im Weg zu stehen: das Laden. Ohne eigene Garage oder festen Stellplatz mit Wallbox wirkt der Umstieg auf ein E-Auto oft unpraktikabel. Diese Sorge ist verständlich, basiert aber zunehmend auf veralteten Annahmen. Die Ladeinfrastruktur und die rechtlichen Rahmenbedingungen haben sich in den letzten Jahren signifikant verbessert.
Der Schlüssel liegt darin, das Laden als Teil der wöchentlichen Routine zu integrieren, anstatt es mit dem täglichen Tanken eines Verbrenners zu vergleichen. Das „Destination Charging“ – also das Laden dort, wo man ohnehin parkt – wird zur Norm. Viele Supermärkte, Kinos und Fitnessstudios bieten mittlerweile kostenlose oder günstige Lademöglichkeiten während des Aufenthalts an. Kombiniert mit dem Laden beim Arbeitgeber und dem wachsenden Netz an öffentlichen Schnellladesäulen lässt sich ein E-Auto auch ohne heimische Wallbox problemlos betreiben.
Zudem haben Mieter seit dem Inkrafttreten des Wohnungseigentumsmodernisierungsgesetzes (WEMoG) im Jahr 2020 einen Rechtsanspruch auf die Installation einer Ladestation auf eigene Kosten. Ein Gespräch mit dem Vermieter ist damit auf einer deutlich stärkeren rechtlichen Basis möglich. Für alle, die den Umstieg risikofrei testen wollen, ist E-Carsharing die ideale Lösung, da die Anbieter das komplette Lademanagement übernehmen. Die folgende Checkliste hilft Ihnen bei der Bewertung Ihrer individuellen Situation.
Ihr Plan für E-Mobilität ohne eigene Ladestation
- Standortanalyse: Prüfen Sie die Verfügbarkeit öffentlicher Ladepunkte (AC und DC) im Umkreis von 500 Metern um Ihre Wohnung über Apps wie „ChargeMap“ oder „Plugsurfing“.
- Arbeitsplatz-Check: Klären Sie, ob Ihr Arbeitgeber bereits Lademöglichkeiten anbietet oder plant, solche zu installieren. Oft gibt es hierfür Förderprogramme.
- „Destination Charging“ kartieren: Identifizieren Sie Supermärkte, Einkaufszentren oder Freizeiteinrichtungen auf Ihren regelmässigen Wegen, die Ladestationen bereitstellen.
- Rechtliche Möglichkeiten prüfen: Informieren Sie sich über Ihre Rechte aus dem WEMoG und suchen Sie das Gespräch mit Ihrem Vermieter über die Installation einer Wallbox.
- E-Carsharing testen: Nutzen Sie Anbieter wie „Share Now“ oder „WeShare“, um Praxiserfahrung mit E-Autos und dem öffentlichen Laden zu sammeln, bevor Sie eine Kaufentscheidung treffen.
Carpooling für Pendler: Wie findet man Mitfahrer, die zuverlässig und sympathisch sind?
Fahrgemeinschaften sind der Klassiker unter den Sparmodellen für Pendler. Die Kosten für eine Fahrt werden geteilt, die Umwelt wird entlastet und die Anzahl der Autos auf den Strassen reduziert. Die grösste Herausforderung ist jedoch nicht die Organisation, sondern der menschliche Faktor: Wie findet man Mitfahrer, auf die man sich verlassen kann und mit denen die tägliche Fahrt angenehm ist? Die Lösung liegt im gezielten Vertrauensaufbau und der Nutzung der richtigen Plattformen.
Moderne Carpooling-Apps (z.B. BlaBlaCar Daily, PENDLA) haben die Zettel am schwarzen Brett längst abgelöst. Sie bieten entscheidende Vorteile, um die sozialen Reibungspunkte zu minimieren. Verifizierte Profile, Bewertungen durch andere Nutzer und transparente Fahrtregeln schaffen eine solide Vertrauensbasis, bevor man überhaupt ins Auto steigt. Ein aussagekräftiges Profil mit Foto und ein paar persönlichen Informationen erhöht die Wahrscheinlichkeit, passende Partner zu finden, erheblich.
Besonders erfolgversprechend sind oft geschlossene Netzwerke. Viele grössere Unternehmen fördern eigene Carpooling-Programme für ihre Mitarbeiter. Hier ist die Vertrauensbasis von vornherein höher, und die Routen sind oft sehr ähnlich. Auch Nachbarschafts- oder Stadtteil-Gruppen in sozialen Netzwerken können eine gute Anlaufstelle sein. Um eine langfristig funktionierende Fahrgemeinschaft aufzubauen, haben sich die folgenden drei Schritte bewährt:
- Vollständiges Profil erstellen: Sorgen Sie für maximale Transparenz durch verifizierte Informationen (z.B. Telefonnummer), ein klares Profilbild und präzise formulierte Regeln (z.B. zu Pünktlichkeit, Rauchen, Musik).
- Testfahrt vereinbaren: Bevor Sie sich auf eine regelmässige, langfristige Vereinbarung festlegen, schlagen Sie eine einmalige Testfahrt auf einer kurzen Strecke oder einen Kaffee zum Kennenlernen vor.
- Geschlossene Netzwerke nutzen: Prüfen Sie, ob Ihr Arbeitgeber oder Ihre Gemeinde spezielle Carpooling-Plattformen anbietet. Die gemeinsame Zugehörigkeit schafft eine höhere Verbindlichkeit.
Spritmonitor & Co: Welche App liefert die besten Statistiken zu den wahren Betriebskosten?
Der erste Schritt zu jeder finanziellen Optimierung ist eine ehrliche Bestandsaufnahme. Wie wir bereits gesehen haben, neigen Autofahrer dazu, die monatlichen Kosten ihres Fahrzeugs drastisch zu unterschätzen. Die Erinnerung an die letzte teure Reparatur verblasst schnell, und die Versicherung wird als jährlicher Posten mental abgehakt. Um eine fundierte Entscheidung für oder gegen ein alternatives Mobilitätskonzept treffen zu können, benötigen Sie harte, ungeschönte Daten.
Genau hier kommen Apps zur Fahrzeugkosten-Verwaltung ins Spiel. Sie sind das unverzichtbare Werkzeug, um aus Schätzungen Gewissheit zu machen. Durch die konsequente Erfassung aller Ausgaben – von jedem Tankstopp über die Versicherungspolice bis hin zum Ölwechsel – erstellen diese Apps eine detaillierte und präzise Gesamtkostenrechnung (TCO). Erst diese Zahl ermöglicht einen fairen Vergleich mit den Kosten von Carsharing, Auto-Abos oder einer Monatskarte für den ÖPNV.
Die verschiedenen Apps auf dem Markt verfolgen unterschiedliche Philosophien und richten sich an verschiedene Nutzertypen. Die Wahl der richtigen App hängt davon ab, wie tief Sie in die Datenanalyse einsteigen möchten.
| App | Philosophie | Besondere Features | Zielgruppe |
|---|---|---|---|
| Spritmonitor | Detaillierte Datenanalyse | Community-Vergleiche, Langzeitstatistiken | Daten-Nerds |
| Pace Drive | Echtzeit-Feedback | Fahrstil-Analyse, OBD-Integration | Effizienz-Optimierer |
| Drivvo | Flottenmanagement | Multi-Fahrzeug-Verwaltung | Familien/Kleinunternehmen |
Egal für welche App Sie sich entscheiden: Die wichtigste Funktion ist die Konfrontation mit der Realität. Die Erkenntnis, dass das eigene Auto nicht 200 €, sondern vielleicht 450 € im Monat kostet, ist oft der stärkste Anreiz, die eigene Mobilität strategisch neu zu bewerten und das Sparpotenzial von über 200 € pro Monat zu heben.
Das Wichtigste in Kürze
- Die wahren Autokosten werden im Schnitt um mehr als das Doppelte unterschätzt.
- Eine strategische Kombination (Mobilitäts-Orchestrierung) von ÖPNV und Carsharing ist bei bis zu 14.000 km/Jahr die wirtschaftlichste Lösung.
- Der Verzicht auf das eigene Auto senkt nicht nur Kosten, sondern auch „Stresskosten“ durch gewonnene Zeit und reduzierte mentale Belastung.
Nachhaltig Autofahren: Wie reduziert man den CO2-Fussabdruck eines Verbrenners um 20%?
Auch wenn Sie vorerst weiter auf ein Auto mit Verbrennungsmotor angewiesen sind, bedeutet das nicht, dass Sie keinen Beitrag zur Nachhaltigkeit leisten können. Durch eine Kombination aus bewusstem Fahrverhalten und technischer Optimierung lässt sich der CO2-Fussabdruck Ihres Fahrzeugs signifikant reduzieren – oft um bis zu 20 Prozent. Dies schont nicht nur die Umwelt, sondern auch direkt Ihren Geldbeutel durch einen geringeren Kraftstoffverbrauch.

Die grösste Wirkung erzielt dabei das sogenannte Eco-Driving. Vorausschauendes Fahren, das Vermeiden von starkem Beschleunigen und abruptem Bremsen, das Fahren bei niedrigen Drehzahlen und die Nutzung der Schubabschaltung (den Gang eingelegt lassen beim Rollen) sind die Grundpfeiler. Allein durch die Anpassung des Fahrstils können Einsparungen von 10-15% realisiert werden. Weitere Massnahmen an Fahrzeug und Planung tragen zusätzlich zur Effizienz bei:
- Reifenoptimierung: Verwenden Sie Leichtlaufreifen und achten Sie stets auf den optimalen Reifendruck. Ein zu niedriger Druck erhöht den Rollwiderstand und damit den Verbrauch.
- Gewichtsreduktion: Entfernen Sie unnötigen Ballast aus dem Kofferraum. Ein Dachträger, der nicht gebraucht wird, sollte demontiert werden, da er den Luftwiderstand stark erhöht.
- Regelmässige Wartung: Ein sauberer Luftfilter, frische Zündkerzen und das richtige Motoröl sorgen für eine optimale und effiziente Verbrennung.
- Kurzstrecken vermeiden: Auf den ersten Kilometern verbraucht ein kalter Motor überproportional viel Kraftstoff. Fassen Sie Fahrten zusammen oder nutzen Sie für kurze Wege das Fahrrad.
- CO2-Kompensation: Für die nicht vermeidbaren Emissionen können Sie über zertifizierte Anbieter wie Atmosfair oder Myclimate einen Ausgleich leisten, indem Sie Klimaschutzprojekte unterstützen.
Letztendlich bleibt der effektivste Weg zur CO2-Reduktion im Verkehr die Reduzierung der gefahrenen Autokilometer. Der Wechsel vom eigenen Verbrenner zu einer intelligenten Kombination aus ÖPNV und Carsharing kann den persönlichen CO2-Ausstoss laut Umweltbundesamt um bis zu 320 kg CO2 pro Jahr reduzieren.
Häufig gestellte Fragen zur modernen urbanen Mobilität
Kann ich als Mieter eine Wallbox installieren lassen?
Ja, seit dem WEG-Modernisierungsgesetz 2020 haben Mieter einen Rechtsanspruch auf Installation einer Ladestation auf eigene Kosten. Der Vermieter kann dies nur in seltenen Ausnahmefällen ablehnen.
Wie lange dauert das Laden an öffentlichen Säulen?
Das hängt von der Art der Säule ab. An Schnellladesäulen (DC-Lader, meist an Autobahnen) dauert es ca. 20-40 Minuten, um den Akku auf 80% zu laden. An städtischen Normalladesäulen (AC-Lader) dauert eine Vollladung je nach Fahrzeug und Ladeleistung zwischen 2 und 6 Stunden.
Ist E-Carsharing eine Alternative?
Ja, absolut. E-Carsharing ist eine hervorragende Möglichkeit, Elektromobilität ohne die Anfangsinvestition und ohne die Sorge um eine eigene Ladeinfrastruktur zu erleben. Die Anbieter kümmern sich um das Laden der Fahrzeuge, sodass Sie immer ein einsatzbereites E-Auto zur Verfügung haben.